Auf dem langen Flug von Frankfurt nach New York guckte ich den Film „Der Teufel trägt Prada“ – von meinem Fensterplatz aus sah ich nur eine lückenlose, gleichmäßige Wolkendecke. Viel spannender waren da die strahlendweißen Wolkengebirge, so plastisch, als ob man darin herumspringen könnte, die ich auf dem Zubringerflug Hannover – Frankfurt bewundern konnte: Eine willkommene Ablenkung von den Turbulenzen im Schlechtwettergebiet um Frankfurt.

 

Erst kurz vor dem amerikanischen Festland war die Sicht frei auf die Landschaft, die ich im Dezember ’13 bei Nacht stellenweise mit Schnee und sehr reizvoll beleuchtet gesehen hatte.

 

Jetzt im Juni ’14 sah ich viel Grün, Inseln und Inselchen, weiß umrandet von Stränden. Meine Vorfreude auf die Tage in New York steigerte sich noch, je näher wir der Stadt kamen, die mich damals- in nur 5 Tagen-so in ihren Bann gezogen hatte.

 

Reisebericht: Meine Vernissage in New York (Dezember 2013)

 

Ein paar Tage vor dieser Reise hatte ich von der Galerie als Mail zwei Fotos bekommen: Eines von meiner Katalogseite und ein zweites, das meine Bilder schon an der Galeriewand hängend zeigte. Wie nett nach dem Stress im Dezember (Shanghai…)!

 

Ja, wirklich, diesmal konnte ich mich NUR freuen auf die Vernissage am 12. Juni – morgen!

 

Im “Millenium Broadway“ angekommen war die Wiedersehensfreude mit einigen Angestellten groß. Dieses Hotel wird zu Recht von „fairflight“ empfohlen: Der Gast ist König.

 

eine Kirche hoch oben

eine Kirche hoch oben

6 Stockwerke tiefer , vom 43. aus hatte ich fast den selben Ausblick wie im Dezember – mit der faszinierenden virtuellen Uhr, rechts das Paramount, dessen Kugel nun fast auf meiner Höhe war. Diesmal entdeckte ich, dass auf einem kleineren Hochhaus gegenüber doch tatsächlich eine kleine Kirche draufgebaut ist. Es war später leider nichts näheres herauszufinden.

 

Die Ankunft am Nachmittag gab noch Zeit her für einen ersten Ausflug um die Häuser. Der Times Square war schnell verlassen: Diese Menschenmengen, das Geschiebe jetzt im Sommer ist nicht jedermanns Sache. Mein Ziel war der Bryant Park, na klar!

 

das entzückende grüne Herz Manhattans - der Bryant Park

das entzückende grüne Herz Manhattans – der Bryant Park

„Le Caroussell“ – die schönen alten Holzfiguren (Pferde usw.) waren leider nur hinter Planen zu ahnen. Am folgenden Sonntag konnte ich mich dann über das offene Karussell freuen, es drehte sich mit seligen Kindern zu typischer Karussellmusik. In den Pausen wurden Edith Piaf Chansons gespielt. Dieser Platz hat es mir angetan. Auf der großen Wiese sieht man Familien beim Picknick, Ball spielende Kinder, Leute bei gymnastischen Übungen. Und natürlich Musikgenießen, Lesende, Klönende. An Sommerabenden gibt es auf einer Bühne kostenlos z.B. Tanzvorführungen oder Filmklassiker zu sehen. Es stehen reichlich die guten alten Gartenstühlchen zur Verfügung, mit denen man sich ein Plätzchen sucht.

 

Dieser Platz hat eine ruhige, friedliche Wohlfühlatmosphäre . Kinder spielen fröhlich, Geschrei habe ich nicht gehört. Es gibt für die Kleinen Bücher und Spiele, die sie nach dem Lesen oder Angucken oder Spielen unversehrt zurücklegen   auf den Wagen.   Männer spielen Boule unter Platanen . Es störte niemanden, dass ein müder Mann mal seinen Kopf auf einem der Tischchen im Schatten ausruhte.

 

Der Tag der Vernissage

 

Die Agora Gallery liegt in der Nähe der Hudson Piers. Um 17h sollten die Künstler zum Fototermin da sein, um 18h begann die Vernissage. Es war warm, aber bewölkt . Die eigentlich für vorher geplante Bootstour verschob ich auf einen der nächsten – wie angekündigt sonnigen – Tage.

 

Ich liebe es, am Wasser zu sein. Die paar Kähne, die im Winter so friedlich dahindümpelten, fielen jetzt gar nicht auf, so viele verschiedene Ausflugsdampfer lagen am Kai. Menschenmengen stiegen aus und ein, viele fröhliche, ausgelassene Schulkinder waren dabei. Die Fahrer standen in Grüppchen klönend bei den wartenden Schulbussen, wie man sie aus Filmen kennt: Gelb und hinter der Hinterachse weit überragend.

 

Lobster Company - bunte Bojen

Lobster Company – bunte Bojen

Am Ende der Rundfahrt-Anlegestellen lag ein ganz besonderes Boot: Es gehört der Lobster Company und wird als Hummerfangschiff und Restaurant genutzt.   An der langen Wand der dazugehörenden Gebäude hängen dicht an dicht bunte Bojen, am Boden davor lagern die Holzreusen. Der Anblick dieser farbenfrohen Wand ließ mein Malerherz höher schlagen. Die verschiedenen Angebote   reizten mich auch sehr: Frischer Hummer. Diese Delikatesse muss aber erarbeitet werden: Trotz Spezialzange und vorbereitetem Schnitt auf dem Rücken mühsam. Aber unvergesslich: Die ganze Szenerie vor Augen, am Nachbartisch 4 heitere junge Frauen, die vermutlich irgendwas feierten (die Champusflasche im Kühler war sicher nicht die erste).

 

Die Hummer werden in Maine gefangen, an dieser Traumküste. Sie ist sehr schön beschrieben in meinem Urlaubsschmöker „Sommer in Maine“.

 

Hinter den Anlegern gibt es ein Freiluft Flugzeug Museum , doch tatsächlich mit einer Concorde! Für dieses Flugzeug hatte ich in den 80ern so einen Faible, daß meine Söhne, damals ca.13 und 9, sparen wollten, um mir einen Flug London – New York für 6000 DM zu schenken. Noch heute steht in meinem Fundsachenschränkchen eine gebastelte Mini Concorde. Die Queen Mom hatte sich zu dieser Zeit zum 90. Geburtstag einen Concordeflug einmal im Kreis über England gewünscht. Und ihr Wunsch wurde erfüllt.

 

die herzlichen Mitarbeiter der Agora Galerie

die herzlichen Mitarbeiter der Agora Galerie

Bei so vielen Eindrücken ist die Zeit schnell vergangen und ich machte mich auf zur Galerie. Auch hier ein herzliches Wiedersehen nach exakt einem ½ Jahr.

 

Galerie Rezeption

Galerie Rezeption

Endlich sah ich meine Bilder: Unversehrt hingen sie da, als ob nichts gewesen wäre. Am Galeriebildschirm über der Rezeption wurde in kurzen Abständen je ein Bild eines Künstlers gezeigt. In der Selbst Vorstellrunde (Scheinwerfer, Kamera, Mikro – nicht mein Ding! – erzählte ich kurz von der verirrten Bilderkiste in Shanghai. Mitfühlende Reaktionen wie damals “ unbelievable!“

 

Es wurde ein stimmiger Abend mit sehr interessierten Besuchern, die teilweise in die Bilder förmlich hineinkrochen und alles über die Geschichten hinter den Bildern wissen wollten.

 

Vom Dezember bis zu dieser Vernissage hatte meine Spannung nie ganz nachgelassen. Ab jetzt hatte ich meine innere Ruhe endlich wieder.

 

 

2.Tag – Ein sonniger Tag, wie geschaffen für die Bootstour

 

Ich hatte mich für die 1½ stündige entschieden , die um die Manhattanspitze herumführte. Das einzig Störende war für meinen Geschmack ein Mann, Typ G. Gabriel, der fast ununterbrochen laut über alles Mögliche informierte. Und ab und zu als einziger über seine eigenen Witzchen lachte. Leider konnte man den Lautsprechern nicht ausweichen.

 

Golfen in New York

Golfen in New York

 

Die Fahrt bot Anblicke, die unvergessen bleiben werden. Die Skyline vom Wasser aus, so oft schon gesehen, ist in Wirklichkeit noch einmal was ganz anderes. Erstaunlich fand ich ein riesiges Netz wie ein Käfig, laut Fremdenführer als Schutz des ins Wasser gebauten Golfplatzes.

 

 

 

die winkende Freiheitsstatue

die winkende Freiheitsstatue

 

 

Von weitem sah ich die Freiheitsstatue, als ob sie drei gerade vorbeifliegenden kleinen Flugzeugen winken würde. Sehr reizvoll fand ich die kunstvollen alten Brücken, vor allem mit den diversen Wolkenkratzern im Hintergrund.

 

 

 

Liebeserklärung an New York

Liebeserklärung an New York

 

Am Brooklyn Ufer liegen verlassene Industriegebäude; an einem hoch oben hat ein glücklicher New Yorker seine Liebeserklärung an diese Stadt gesprüht.

 

Leicht bewölkter Himmel, durch die vielen Verglasungen oft hell-grau-blau glänzende Hochhausfassaden um den “Freedom Tower“, sanft hellgrüne z.T. Kuppeldächer (Grünspan an Kupfer? Eine Sinfonie in Pastell. Dann macht das Schiff nahe der Freiheitsstatue die große Wende zur Rückfahrt. Viele andere tummeln sich hier, dazwischen auch Segelboote und die  rostig wirkende Staten Island Ferry, die ihre Fahrgäste doch tatsächlich kostenlos befördert.

 

Besuch der Carnegie Hall

 

An diesem Abend stand mir ein Highlight bevor: Ein Konzert in der Carnegie Hall. Der russische Geigenvirtuose Markow spielte u.a. Paganini. Eine von ihm als “Surprise“ angekündigte Zugabe entpuppte sich als ohrenbetäubende Spezialität – mit Riesenboxen und Verstärker an seiner, wie es hieß, wertvollen Geige. Ein Großteil der Zuhörer brachte seine Begeisterung durch Standing Ovations zum Ausdruck. Ich gehörte nicht dazu. Ich hatte seine Bach- und Mozart Stücke genossen.

 

Die Carnegie Hall soll die Konzerthalle mit der besten Akustik auf der ganzen Welt sein. Die Bühne war völlig leer, ohne jeden Blumenschmuck, wie man es sonst so kennt. Die Raumtemperatur so niedrig, dass man eine Jacke brauchte.

 

Carnegie Hall

Carnegie Hall

Eine kleine pfiffige Besonderheit: Das Pausenende in der kleinen Sektbar unten im Erdgeschoß wurde durch eine immer wiederkehrende kleine 4 Ton- Melodie auf einem Xylophon verkündet. Es machte der schwarzen Frau in leuchtend roter Jacke sichtlich Spaß. Tolle Idee!

 

Auf dem Weg nach Hause ging ich in einen Supermarkt. Ein Erlebnis: Appetitlich und sehr ordentlich angeboten gibt es wirklich alles, in allen Variationen zu kaufen. Ich wurde auch fündig: Ich war auf eine Campbell’s Dose aus, wie die berühmte von Andy Warhol. Und kaufte große helle gelbrote Kirschen, unglaublich fleischig, knackig, lecker!

 

Auf der 6th Avenue bot sich ein Rikschafahrer an, und ich stieg kurzentschlossen ein. Es war ein junger, drahtiger Asiate, der sein Gefährt gekonnt zwischen den vielen dichtgedrängten Yellow Cabs auf dem Times Square hindurchlenkte, manchmal war sicher nur 1mm Zwischenraum.

 

unvergessen: der 11.September

unvergessen: der 11.September

Für diesen letzten Tag hatte ich das World Trade Center und Top of the Rock geplant. Die New Yorker nennen den neuen Turm “ Freedom Tower“, aber offiziell soll er “ World Trade Center“ heißen. Es ist ein Erlebnis ganz besonderer Art: Am Standort der “Twin Towers“ (heute: 911 Memorial) gibt es nun riesige Becken, von deren Rändern ständig mächtige Wassermassen hinabschießen. In der Mitte der großen Becken ist nochmal ein kleineres quadratisches Becken eingelassen, in das das Wasser nochmal abfällt. Die Ränder der Becken haben eine Art Ballustrade aus Edelmetall, aus dem die Namen aller Opfer des 11. September ausgefräst sind. Alle, wirklich alle Menschen, die ich hier sah, verhielten sich still und wirkten äußerst ergriffen. Noch einmal mehr ging mir die Inschrift einer Frau nahe, deren Namen ich nicht mehr weiß “. . .with her unborn child“.

 

911 Museum

911 Museum

Die Menschenschlange vor dem neu eröffneten Museum war mir entschieden zu lang. Allein der Anblick dieser Architektur ist beachtlich: Einem umgestürzten Turm nachempfunden, halb aus der Erde ragend. Hinter einem Bauzaun entdeckte ich ein großes Gebilde, von dem ich nicht weiß: Ist es der Rest des dritten Turmes, oder wird da ein Museumschaustück gebaut? Dann geht der Blick natürlich nach oben, den neuen Riesenturm hinauf. Ein sehr gelungenes Bauwerk, wie ich finde. 2015 darf man hinein und hinauf.

 

Im Dezember war ich auf dem Empire State Building, jetzt wollte ich auf den “Top of the Rock“. Wenn man den Einlaß mit teilweise unnahbar strengem Personal, die Sicherheitskontrollen und die langen Gänge durchlaufen hat, geht es endlich in den Lift. Bei der rasanten Fahrt nach oben kann man durch das Glasdach zur Spitze hinaufsehen. Alle paar Meter leuchten in allen vier Ecken neonblaue Lämpchen, die nur so vorbeisausen.

 

Mein erster Blick fiel auf den Central Park, in dem auf einer Freilichtbühne irgendeine Aufführung lief. Langsam und unmerklich wurde es dämmrig und dunkel. Man kann sich nicht sattsehen. Immer wieder wechselt man die Richtung, alle vier Seiten sind zugänglich. Und das auf zwei Etagen. Im Innenraum fand ich einen freien Platz auf einem der Sitzklötze, wie man sie aus Museen kennt. Sehr dezent war klassische Musik zu hören.

 

Eine eigenartig friedfertige Grundstimmung. War es vielleicht der weite Abstand zur Erde da unten, der unbewußt solches Empfinden auslöst wie Reinhard Meys „über den Wolken“?

 

Ich traf u.a. auch Reisende, die eine USA Rundreise vor oder hinter sich hatten. Wie z.B. Mutter mit Tochter, die gerade ihr Abi gemacht hatte. Morgen ging es für sie weiter nach Boston, mit dem Mietwagen. Manchmal nahmen sie ein WoMo, dann sparten sie sogar das Hotel.

 

Inzwischen stand hinter dem Central Park ein voller orangegelber Mond. Unbeschreiblich schön!

 

Fun at Top Of The Rock

Fun at Top Of The Rock

In einem höherliegenden, hellerleuchteten Seitenraum entdeckte ich ein merkwürdiges Treiben: Vor allem Kinder hopsten oder tanzten ausgelassen bei ständig wechselnden Lichtspielen. Zu dem Raum führte eine Rolltreppe. Jetzt sah ich, daß manche auch ruhige Bewegungen mit den Armen oder mit dem ganzen Körper machten. Immer wenn sie in die Nähe der Wand aus Glasbausteinen kamen, leuchteten die am nächsten liegenden bunt auf. Ich meinte erkannt zu haben, daß jede Person immer dieselbe Farbe in den Steinen aktivierte, die beim Entfernen wieder weiß leuchteten. Mir ein Rätsel. Warum habe ich es nicht selbst ausprobiert? Ich war ganz einfach zu k.o.!

 

Abreisetag

 

Ohne lange zu überlegen war klar: Die Zeit bis zur Abfahrt mit dem Shuttle ging ich nochmal in aller Ruhe . . . zum Bryant Park.

 

Schon jetzt am Morgen saßen Menschen auf dem Gehweg vor einem Broadway Theater: Warten auf Karten. Beim Anblick dieser Feuertreppe fiel mir ein, was ich mal gehört habe: In ganz unerträglich heißen Sommernächten legen sich nicht wenige New Yorker zum Schlafen auf diese Plattformen. Und natürlich dachte ich an Maria und Tony in der “Westside Story“.

 

das tägliche Leben der New Yorker

das tägliche Leben der New Yorker

An der Ecke 42th / 6th Avenue ein Gefährt mit Anhänger auf dem breiten Bürgersteig : Ein Eisverkäufer baute seine Bude auf. Sein Junge, vielleicht 7 Jahre alt, mit Irokesenschnitt, hielt hilfsbereit den schweren Bremsklotz in den Armen. Ein eingespieltes Team, die beiden. Ausgerechnet jetzt, wo ich das Karussell fotografieren wollte (es fuhr, war ja Sonntag), gab mein Apparat einen Ton von sich: Ende, aus, Akku leer.

 

Schwer trennte ich mich von diesem Ort, und von Ruben, Terry. Aber besonders, fast traurig von Arleen an der Konzertkasse, an der ich ohne einen Klön nie vorbeigekommen war.

 

Auf dem Weg zum Flughafen hörte der Shuttlefahrer im Radio die spanische Reportage eines der ersten WM Spiele. Am Ende großes ironisches Gelächter.

 

Nach dieser Reise brauchte ich ein paar Tage, richtig „anzukommen“.

 

Wohl dem, der gern zu Hause ist und sein „normales“ Leben liebt – und so schöne Erinnerungen hat.

 

Marie-Luise Quandt

 

Homepage der Künstlerin

 

30Jul

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